Auf zum Gut Kahle

Unter diesem bescheidenen Motto stand unsere Tagestour im Kalender und niemand ahnte, wie wunderbar sie werden sollte! Das Wort "Gut" stimmte schon mal, nur die Bezeichnung "Kahle" stand im Widerspruch zu den Laubwäldern und der Blütenpracht längs der Wege. Viele hatten sich nicht angemeldet, doch plötzlich standen in Cuxhaven zehn erwartungsvolle Personen, wovon drei Kurgäste aus Minden waren. Sie hatten im Internet von uns erfahren und waren anschließend von diesem Tag besonders angetan! In Hechthausen wurden wir bereits von unserer tatkräftigen Tourenleiterin Hilde in Empfang genommen, an deren Jackenzipfel zehn weitere Mitfahrer hefteten. Kurze Begrüßung, dann schnurrte Hilde über den Bahnübergang durch Klint und bog bald in einen alten, dunklen Wald ein, unter dessen beschützendem Blätterdach wir kreuz und quer unseren Weg zur Oste suchten. Die blinkte bald silbern durch die ehrwürdigen Stämme und schickte uns die ersten reflektierten goldenen Sonnenstrahlen entgegen. Hilde verstand sich nicht nur als Führerin durch unwirtliches Gebiet, nein, sie fühlte sich auch verantwortlich für unsere körperliche Ertüchtigung und schickte uns auf einen hölzernen Aussichtsturm, der für sechs Personen gestattet war, aber locker das Dreifache aushielt. Made in Germany. Es konnten beim späteren Abzählen auf dem Bahnhof alle Teilnehmer ihre Fahrkarten wieder ausnutzen! Der Blick von hier oben auf die mäandernde Oste mit ihren neu angelegten Inseln als Vogelreservate dürfte unvergessen bleiben! Am Flussufer entlang und dann hinter den neuen Deich , wie leicht liefen hier die Räder! Auf einen Besuch in ein Vogelbeobachtungshaus hinter einem Wall von Morast wurde seitens Hilde bestanden. Und wieder diese Inseln im Flussparadies! Die Mehe mündete bei einem Pumpwerk in die Oste bis dann hinter alten Bäumen das Gasthaus an der Fähre Brobergen hervorlugte. Früher stand hier tatsächlich eine Burg, heute wird sie von Anglern bestürmt, die fröhlich plaudernd ihre Biere tranken und dabei auch an ihre Angeln am Ufer gedacht haben mögen. Erfrischung kaufen, Austreten und dann rief der Fährmann zur Überfahrt. Seekrank ist zum Glück niemand geworden! Weiter zog uns Hilde hinter sich her. Es müssen drei Hildes anwesend gewesen sein: Die Hilde, welche die Gruppe sicher durch das Labyrinth steuerte, eine Hilde, die fröhlich Erklärungen über Tiere, Pflanzen und Gebäude von sich gab und schließlich die Hilde, welche sich lieb und nett mit jedem Teilnehmer unterhielt. Sie führte uns durch alte Dörfer, deren Häuser von uralten Baumwipfeln beschützt wurden, erklärte 1000-jährige Feldsteinkirchen und war um unser Wohl besorgt; denn bei dieser Hitze sollte man nach ihrer Meinung lieber im Schatten bleiben. Den Einwand von B., dass bei jeder Tour Schwund und Verderb eingeplant werden müsse, ließ sie nicht gelten! Zwischen zwei Seen hindurch landeten wir im Gut Sunde. Ein uraltes Fachwerkhaus mit Reetdach begrüßte uns und ließ den Blick auf einen Gutshof mit Turm frei. Der Gutsherr, sicherlich ein Adliger(auf und davon) war wohl in Brobergen in der Gaststube am Angeln! Wir schlängelten uns durch Wiesen und Wäldchen zum Gut Kahle. Außer Autoersatzteile gab es im Dorfladen wohl alles zu kaufen. Und das war Haralds große Stunde! Endlich wurde ihm ein warmer Happen zum Essen angeboten! Der Rest begnügte sich mit Erdbeeren und Fruchtsäften. Und dann die Fahrt zu einem Cafe, das seinesgleichen sucht! Hinter Fachwerkhaus und Holzscheune ein großer Garten mit blühenden Pflanzen. Ein riesiger Bauerngarten umpfing liebevoll das Anwesen. Unter über 100-jährigen Bäumen saß es sich bei Kaffee und selbstgebackenen Torten friedlich und gemütlich. Hier hätte man gerne noch länger gesessen! Durch Himmelpforten, und so fühlten wir uns nach diesem Tag, ging es über Umwege zur Ostebrücke und von dort an Gutshöfen vorbei zum Bahnhof. Für mich war dies eine der schönsten Tage in diesem bisherigen Jahre und dafür danke ich Hilde! 

Behrend F. Hein

Einige Teilnehmer schauen von einem Aussichtsturm auf die Oste.

 

 


                                         Lahn-o-meter

 

                        1) Wo soll ich nur die Sachen lassen,
                            die ich so gerne mit mir hätte?
                           
Sie werden niemals in die Tasche passen
                            und häufen sich auf meinem Bette.

 

                        2) Ein Teil der vielen Süßigkeiten,
                            der bunten Hemden Männerzier,
                           
die mir sonst viel Freud´ bereiten,
                            die sind zu viel und bleiben hier.

 

                        3) Wenn Packtaschen größer als das Fahrrad werden,
                             dann darf man nicht verzagen
                             und muss energisch auf dieser Erden
                             die Sachen etwas länger tragen.

 

                        4) Vollgepackt und froher Sinnen
                             lächelt mich mein Fahrrad an.
                             So beschwingt kann es beginnen:
                             Eine schöne Reise dann!

 

                        5) Draußen regnet´s, im Zug wird´s heiter.
                            Mit seinem neuen Fahrrad dann
                            erschien Hermann, unser Reiseleiter
                            und führte nun die Truppe an.

 

                         6) Das Radabteil, es war ein Graus,
                             doch lächelte in uns´re Bahn,
                             wenn man schaut zum Fenster `raus
                             durch Bäume froh das Braun der Lahn.

 

                          7) Fünf Freunde empfingen uns mit Lachen
                              an Marburgs Gleisen und dann im Regen
                              ging es gleich mit zwanzig Sachen
                              zur Lahn entlang auf nassen Wegen.

 

                          8) Es war wie im Aquarium:
                              Marburgs Bauten schauten ´rein.
                              Wir radelten wie Fische ´rum,
                              nur der Humor durfte trocken sein.

 

                          9) Hell ist der Mittwoch und gar kein Regen.
                              Er schenkt uns das Grün der Lahnes Auen
                              und lässt uns auf verwunsch´nen Wegen
                              froh auf verzauberte Hügel schauen.

 

                        10) Der Staufenberg ist voller Graus
                              als Radlermörder wohl bekannt.
                              Die Zunge hängt zum Halse ´raus,
                              zum „Schnaufen-Berg“ wird ernannt.                                                         
 

                        11) Links die Hügel, rechts die Berge
                              und inmitten fließt die Lahn.
                              Wir dazwischen wie die Zwerge,
                              ziehen fleißig uns´re Bahn.

 

                        12) Zweiklassenreisen sind jetzt modern.
                               Nach Scheidt führen sie im steilsten Marsch.
                               Die Einen schieben ihr Fahrrad gern,
                               Andere wärmen die Akkus mit ihrem A….!

 

                         13) An Wäldern gurgelt die Lahn ganz leise
                                und grüßt die Tannen bis sie schießt
                                durch Felsentore auf ihrer Reise
                                und sich dann im Rhein ergießt.

 

                         14) Ob Gießen, Fortuna, in Limburg diese Runden,
                                Weilburg, Deutsches Eck oder vieles andere hier,
                                du schenktest uns so viele, schöne Stunden.
                                Großartig, Hermann, wir danken dir!

 

                                                                                                     B.H. Juli 2017        

                             

                                           Jahresabschlusstour 2017

 

Das war ein Tag so ganz nach unserem Herzen! Von diesem Sommer haben wir ADFC- Freunde wegen des unsteten und häufig regnerischen Wetters nicht viel gehabt und so manche Ausfahrt musste deswegen unterbleiben. Und auch an diesem Wochenende schien die Voraussage nicht viel Hoffnung zu geben. Doch es kommt zum Glück häufig anders als befürchtet! 24 Mitstreiter fanden sich am Sonntag, dem 1. Oktober vor dem Info-Laden ein, darunter unsere treue Sabine aus Bremerhaven und zwei weitere uns von anderen Fahrten bekannte Gäste aus dem Kreis. Jürgen Brüschke als altbewährter Tourenleiter begrüßte eine unternehmungslustige Gruppe, die den Sonnenschein noch gar nicht fassen konnte und sich mit seiner aufkommenden Fröhlichkeit gegenseitig ansteckte. In dieser lustigen Stimmung fuhren wir los, schnupperten erst noch etwas Hafenluft und plauderten angeregt auf den Asphaltwegen nach Altenbruch an den Doppeltürmen der Kirche vorbei und radelten in Sichtweite des Lüdingworther Bauerndomes in Richtung Wanhöden. Die Gruppe bog in den wunderschönen Waldesrandweg am Midlumer Moor ein und wir mussten höllisch auf Werner aufpassen, damit der uns nicht vom Fahrrad stieg und jubelnd in den Pilzen verschwand. Ein weiteres kulturelles Missverständnis konnte nach einer Viertelstunde glücklich gelöst werden. Helga radelte längsseits von Behrend, um ihm die freudige Mitteilung über einen Familienzuwachs zu machen. So süß das Kleine und so viel Freude hat es den Kindern gemacht, man hätte sich lange überlegt, ob man es wagen könne! Behrend rechnete zwar ein wenig, wie alt ihre beiden Kinder wohl inzwischen sein könnten, doch ließ er sich von Helgas schwärmerischen Freude  anstecken und beglückwünschte sie aufrichtig…., bis sich herausstellte, dass sich Helga und Bernd einen neuen Hund ausgesucht hätten! So kann man auch auf den Hund kommen! Ein Stück entlang des Alten Postweges, bis man dann in die Marsch mit ihren grünen Wiesen und den blau-blinkenden Kanälen herunterfuhr. Jürgen war mit der Länge der Pausen ja etwas streng, doch das musste er wohl, um pünktlich an sein Ziel zu gelangen. Nordholz hatte wohl auf uns gewartet, jedenfalls saß die Bevölkerung in ihren Vorgärten bei geistigen Getränken am Grill und begrüßte uns dementsprechend fröhlich, je nach der Anzahl der bereits geleerten Gläser. Auf die Frage von Behrend, ob sie unseretwegen dort säßen, bejahten sie das lautstark. Ist das nicht schön, wie diese Menschen an der Abschlusstour des ADFC Anteilnahme zeigen? Was Werner nur hat, dieser Spielverderber, der sagte nämlich, die feierten heute Erntedankfest! Nur weil sie so viel Korn einfuhren? Und schließlich landeten wir in Oxstedt in unserem Lokal, wo im Februar die Grünkohltour geendet hatte. Das Essen war wieder ausgezeichnet und unsere Stimmung auch. Es wurden Fahrraderlebnisse ausgetauscht, wobei sich manche Speichen fürchterlich gebogen haben! Behrend sammelte die für den Norden bestimmte Truppe und führte sie Richtung Küste. Es darf fröhlich vermeldet werden: kein Golfball ist am Hohen Klint an unseren Köpfen vorbeigesaust! Links die Küste, rechts der Wernerwald und von ferne grüßte die auf blauem Wasser schwimmende Insel Neuwerk. Wer es nicht so eilig hatte und sich nicht unbedingt in strammer Haltung zu Hause zurückmelden musste, blieb bei Behrend und begleitete ihn am Wasser bis zu Alten Liebe und dann zum Info-Laden.

An diesen schönen Tag werden wir noch lange zurückdenken. Doch einen Wermutstropfen gab es dennoch: Jürgen kann nicht weitermachen und muss zumindest mit den Touren aufhören! Wie schade, Jürgen, deine Ausflüge waren immer besonders schön!!

                                                                                                      

                                                                                                                    Behrend

 

 

 

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